New Fall Forum – Der Pop-Talk zu unserer Gesellschaft der Zukunft

By 23. September 2019Allgemein
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Was hat Pop mit Politik zu tun? Haben Künstler*innen eine Pflicht, sich mit den politischen Aspekten ihrer Musik zu beschäftigen? Warum ist es so schwer zwischen populär und populistisch zu unterscheiden? Welche Rolle spielt ein Begriff wie „Heimat“ in einer globalisierten Welt? Wie geht es mit Europa weiter? Und wie stellen wir uns überhaupt die Welt in der Zukunft vor? Parallel zum New Fall Festival 2019 gehen wir in diesem Jahr mit dem New Fall Forum – dem Pop-Talk zu unserer Gesellschaft der Zukunft – ganz neue Wege! Wir wollen mit Euch, mit eigens dafür eingeladenen Gästen und mit den Künstler*innen des Festivals einen Dialog starten und über diese Fragen diskutieren.

Das New Fall Forum wird am Donnerstag und Freitag von “Embracing Realities” komplettiert, dem monatlichen safe open fun space im Unterhaus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Hier finden Gedanken, künstlerische Positionen und Perspektiven Raum für eine intersektional und plural gedachte wie gelebte Realität.

Donnerstag, 10.10.2019, 18 Uhr, PONG/NRW-Forum 
Heimat im Fremden, Fremde in der Heimat 
Keynote & Panel

„Heimat“ ist ein schwer zu fassender Begriff, der eine räumliche, zeitliche, emotionale, soziale und kulturelle Dimension hat. Was ist Heimat? Ist Heimat höchst individuell oder gibt es eine universelle Definition? Ist Heimat ein Ort oder ein Land, dessen Grenzen mich woanders fremd fühlen lasen? Ist Heimat da, wo alle Nuancen meiner Sprache verstanden werden? Oder kann Heimat auch ein Lied sein, das mein Herz berührt? Ist Heimat da, wo die wichtigen Menschen sind?

Ausgehend von diesen Fragen wollen wir diskutieren, wie es ist, in Deutschland zu leben, die Gesellschaft mitzugestalten und dennoch als fremd wahrgenommen zu werden. Wir wollen uns fragen, ob wir Grenzen bauen, wenn wir nach Heimat fragen und doch eigentlich die Hautfarbe oder den „fremd“ klingenden Namen meinen. Ob wir ausschließen, wenn wir andere für gutes Deutsch loben. Ob wir das Gefühl der Fremde bestärken, indem wir Sprache, Aussehen, Herkunft hervorheben. Zugleich wollen wir die Ur-Ängste von denjenigen thematisieren, die sich als ur-deutsch sehen – und wir wollen diskutieren, was wir tun können, um eine gemeinsame Heimat zu fördern, in der es egal ist, woher wir kommen und an was wir glauben.

Mit:
Fatma Aydemir (Journalistin und Autorin)
Jan Fleischauer (Journalist und Autor)
Kübra Gümüsay (Autorin)

Moderation:
Aline Abboud (Journalistin, Redakteurin und Moderatorin beim ZDF)

Freitag, 11.10.2019, 18 Uhr, PONG/NRW-Forum
Singen ist Macht – Politik in der Popmusik Panel

„Die Gedanken sind frei“ – Ein Volkslied ist über Jahrhunderte hinweg Leitmotiv in Zeiten politischer Unterdrückung oder Gefährdung. Die „Marseillaise“ beflügelte die Französische Revolution mit einem kämpferischen Ausdruck. „We shall overcome“ wird zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung in den USA der 60er Jahre. Fakt ist: Musik und Politik sind seit jeher untrennbar miteinander verbunden. Die heutige deutsche Popmusik zeichnet ein vermeintlich gespaltenes Bild: Auf der einen Seite steht der triviale Verdrängungsgleichklang von Künstlern wie Max Giesinger oder Tim Bendzko. Auf der anderen Seite singen Bands wie Feine Sahne Fischfilet von Staatsgewalt und werden – linksextrem eingestuft – schon länger vom Verfassungsschutz beobachtet. Wir fragen uns: Wie radikal dürfen, wie politisch müssen Popmusiker*innen in ihren Liedern sein? Können Künstler*innen gleichzeitig in der Öffentlichkeit stehen und sich privat politisch engagieren? Ist nicht die Harmonisierung der oberflächlichen „Weitermachschlager“ ein Abbild der Politikverdrossenheit und damit gleichsam politisch zu werten? Vor allem aber steht die Frage im Fokus, wie wir der wachsenden Anzahl rechtsradikaler Bands begegnen und welche Rolle den anderen Popkünstler*innen dabei zukommt.

Mit:
Jens Balzer (Autor und Kolumnist)
Fuat Ergin ( Rapper)
Ted Gaier von “Die goldenen Zitronen” (Musiker, Regisseur und Darsteller)
Mine (Sängerin)

Samstag, 12.10.2019, 18 Uhr, Tonhalle / Foyer
Karren und Knarren – Werte in der Hip-Hop-Kultur 
Panel

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Das Weltbild der Entscheider von morgen wird zunehmend von Rappern geprägt. Kein Kind wächst 2019 mehr ohne Hiphop auf. Von Hollywood bis Bietigheim-Bissingen ist jeder Fleck der Erde in der größten Subkultur der Welt getränkt. Rap prägt Film und Fernsehen, Mode und Kunst, Politik und Zeitgeschehen. Kritiker*innen schreiben dem Genre allerdings häufig ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein zu: Drogen, Luxusartikel, organisierte Kriminalität, ein sexistisches Frauenbild und Homophobie sowie antisemitische Verschwörungstheorien dominieren die massenmediale Berichterstattung über Deutschrap. Wie viel Wahrheit steckt in dieser Darstellung? Ist die öffentliche Wahrnehmung von deutschem Hiphop verzerrt? Welche Werte prägen die größte Jungendbewegung der Welt wirklich? Was hat sich geändert, seit Hiphop in den Neunzigern Deutschland erreichte? Wird die wichtigste Jugendkultur unserer Zeit hierzulande falsch verstanden? Wir lassen Straßen-Rapper*innen und Szenemitglieder selbst zu Wort kommen und wollen von ihnen wissen, was sie bewegt. Wie gehen sie als Sprachrohr vieler Teenager mit ihrer Verantwortung für die Gesellschaft von morgen um? Das Panel findet in Kooperation mit Hiphop.de statt.

Mit:

Prinz Pi (Musiker / Rapper)
Aria (Hiphop.de)
Dr. Sina Nitzsche (Kultur- und Literaturwissenschaftlerin)

Moderation:
Bianca Hauda (1Live), Tox (Hip Hop.de)

Samstag, 12.10.2019, 20 Uhr, Tonhalle / Helmut-Hentrich-Saal
Held oder Schurke? Über die (Ent-)Kriminalisierung von Menschlichkeit in turbulenten Zeiten Präsentation & Panel

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Zentrum für Politische Schönheit X Seawatch e.V.

Das Zentrum für Politische Schönheit weist mit seinen Aktionen auf Menschenrechtsverletzungen und politische Missstände hin. Der Ton ist häufig satirisch. Wie weit darf man gehen? Gegen das Zentrum für Politische Schönheit wurde bereits mehrmals ermittelt.

Die EU-Länder streiten seit Jahren über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Italiens Regierung verfolgt eine restriktive Flüchtlingspolitik und hat die italienischen Häfen für internationale Rettungsschiffe geschlossen. Sea-Watch ist eine Initiative, die sich der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden verschrieben hat. Das Retten von schiffbrüchigen Geflüchteten wird als Menschenhandel kriminalisiert. Die Festnahme von Carola Rackete, einer Kapitänin von Sea-Watch und die rechtspopulistischen Äußerungen des italienischen Innenministers haben diesen Sommer in Deutschland Empörung hervorgerufen.

Wir wollen diskutieren: Wo hört die Kunstfreiheit auf? Verhindert geltendes EU-Recht das Engagement der Zivilbevölkerung? Und welche Rolle spielen die Medien?

Mit:
Cesy Leonard (Regisseurin / Zentrum für politische Schönheit)
Sea-Watch e.V.

Moderation:
Dr. Wulf Schmiesse (Historiker, Journalist und Fernsehmoderator, Redaktionsleitung des heute- journals ZDF)

Sonntag, 13.10.2019, 17 Uhr, Schauspielhaus
Eure Heimat ist unser Albtraum – 
Lesung

Wie lässt sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl angesichts einer auseinanderdriftenden Gesellschaft herstellen? Ganz bestimmt nicht durch die Wiederbelebung des national besetzten Begriffs „Heimat“ eines Innenministers, der auch bekannt ist für Aussagen wie „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ und „Migration ist die Mutter aller Probleme“. Hengameh Yaghoobifarah ist Mit-Herausgeberin eines Sammelbands mit dem Titel “Eure Heimat ist unser Albtraum” mit Beiträgen der wichtigsten jungen Autor*innen unseres Landes, die zeigen, dass Deutschland schon längst plural und vielfältig ist. Dr. Mithu Melanie Sanyal schreibt in dem Essay “Zuhause” darüber, welche Bedeutung die Herkunft für das Deutschsein hat. „Funktioniert Nation als Grenze nach außen, so bildet Heimat eine Grenze nach innen“, schreibt die Autorin. An was es derzeit mangele, seien echte Visionen für das Land. „Wo kommst du her?“, sei nicht entscheidend, so Sanyal. Die Frage der Zukunft laute: „Wo wollen wir zusammen hin?“

Mit:
Hengameh Yaghoobifarah (Autorin, Journalistin, DJ)
Dr. Mithu Melanie Sanyal (Autorin, Journalistin, Kulturwissenschaftlerin)

 

Sonntag, 13.10.2019, 19 Uhr, Schauspielhaus
Victoria – Film

Ein Film, der die deutsche Kinowelt durchrüttelte: Kein einziger Schnitt, die Dialoge improvisiert, die Musik von Nils Frahm. Die Spanierin Victoria trifft in einem Berliner Club auf vier junge Männer, die sie in ein Verbrechen verwickeln. Der nahtlose Dreh ohne Schnitte schafft einen magischen Sog.

Von:
Sebastian Schipper, Deutschland 2015, 128:00 min